Kinder mit Mitgefühl zu erziehen: Viele Eltern fragen sich, wie sie ihren Kindern respektvolles Verhalten beibringen und gleichzeitig ihre Fähigkeit zur Selbstfürsorge stärken können. Sie wissen, dass strenge Kritik schädlich sein kann – wenn Kinder das Gefühl haben, die Erwartungen ihrer Eltern nicht zu erfüllen, kann das zu Schamgefühlen führen.
Lesen Sie weiter, um herauszufinden:
Warum ist strenge Kritik problematisch?
Studien zeigen, dass Kinder von sehr kritischen Eltern oft ein geringeres Maß an Selbstmitgefühl entwickeln und als Erwachsene anfälliger für Angstzustände und Depressionen sind. Das liegt daran, dass Kinder die elterlichen Bewertungen oft verinnerlichen – eine Dynamik, die ihr ganzes Leben beeinflussen kann.

Dennoch glauben viele Eltern, dass Erziehung ohne Strenge nicht effektiv sei. Gleichzeitig kann eine zu nachgiebige Erziehung, bei der Kinder nie korrigiert werden, ihre persönliche Entwicklung ebenfalls beeinträchtigen. Die Herausforderung besteht also darin, einen Mittelweg zu finden: Wie können wir Kindern auf eine einfühlsame und respektvolle Weise klare Grenzen setzen?
Kinder mit Mitgefühl zu erziehen – aber wie?
1. Den Fokus auf das Verhalten legen
Es ist entscheidend, das Verhalten eines Kindes zu korrigieren, ohne sein Wesen oder seinen Charakter abzuwerten. Statt zu sagen: „Du bist unhöflich!“, sollten wir uns auf die konkrete Situation konzentrieren. Ein Kind sollte nicht lernen, sich über Fehler zu definieren, sondern eine wachstumsorientierte Perspektive entwickeln.
💡 Beispiel:
Statt „Du bist so rücksichtslos!“ zu sagen, könnte man formulieren: „Ich verstehe, dass du frustriert bist, aber es ist wichtig, andere mit Respekt zu behandeln.“

2. Die Ursache des Verhaltens erkennen
Oft liegt hinter einem unerwünschten Verhalten ein unerfülltes Bedürfnis oder eine starke Emotion. Wenn Kinder spüren, dass sie verstanden werden, sind sie eher bereit, ihr Verhalten zu ändern.
💡 Beispiel:
Jan spielt sein Lieblingsvideospiel und schreit seine Schwester Mila an: „Hör auf zu reden!“
Statt ihn als unhöflich zu verurteilen, könnte man sagen: „Ich weiß, dass du dich auf dein Spiel konzentrieren willst und es dich stört, wenn du unterbrochen wirst. Aber wenn du Mila anschreist, verletzt du ihre Gefühle.“
Oder:
Ein Kind vergisst nach einem Telefonat, den Honigdeckel in der Küche zu schließen. Statt zu sagen: „Du bist so schlampig!“, könnte man es darauf hinweisen: „Ich weiß, dass du abgelenkt warst, aber wir möchten keine Ameisen in der Küche haben.“
3. Auf den richtigen Tonfall achten
Nicht nur unsere Worte, sondern auch unser Tonfall beeinflussen, wie Kinder unsere Botschaft aufnehmen. Ein scharfer, genervter Ton kann zu Widerstand und Trotz führen, während eine ruhige, mitfühlende Stimme das Kind dazu ermutigt, Verantwortung zu übernehmen.
💡 Tipp:
Statt ein Kind anzufahren mit „Hör auf, so laut zu sein!“, könnte man sagen: „Ich verstehe, dass du aufgeregt bist. Lass uns gemeinsam überlegen, wie du deine Energie anders ausdrücken kannst.“
4. Eigene Emotionen reflektieren
Bevor wir das Verhalten unseres Kindes korrigieren, sollten wir in uns gehen: Reagieren wir aus echter Sorge oder aus eigener Unsicherheit? Oftmals werden wir wütend, weil wir Angst haben, als „schlechte Eltern“ wahrgenommen zu werden.
💡 Beispiel:
Wenn ein Kind im Restaurant nicht stillsitzen kann, fragen wir uns: Stört uns das Verhalten wirklich – oder haben wir Angst vor der Meinung der anderen Gäste?
Indem wir unser eigenes Bedürfnis nach Anerkennung reflektieren, können wir unserem Kind mit mehr Gelassenheit und Verständnis begegnen.
Fazit: Selbstmitgefühl als Schlüssel zur liebevollen Erziehung
Kinder lernen durch unser Vorbild. Wenn wir ihnen mit Empathie begegnen, ohne Kritik und Scham einzusetzen, entwickeln sie die Fähigkeit, sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen. Selbstmitgefühl ist kein Freifahrtschein für unangemessenes Verhalten – es hilft Kindern vielmehr, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, ohne ihr Selbstwertgefühl zu beschädigen.
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