Dissoziation & 3 weitere Reaktionen auf Selbstsabotage

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Erwachsene Kinder emotional unreifer Eltern sind im Berufsleben und in zwischenmenschlichen Beziehungen oft besonders anfällig für Ausbeutung – weil ihnen häufig ein gesundes Bewusstsein für ihre eigenen Rechte fehlt. Dieses Bewusstsein ist jedoch entscheidend, um die eigenen Bedürfnisse klar äußern zu können.

Wenn du dich hier wiedererkennst, hast du vielleicht oft Sorge, anderen mit deinen Bedürfnissen zur Last zu fallen. Schon für eine kleine Beschwerde – oder auch nur für eine notwendige Rückfrage – brauchst du möglicherweise große Überwindung. Kurz gesagt: Du hast Angst, dass deine Bitten mit Geringschätzung oder Spott beantwortet werden könnten.

Statt deine Bedürfnisse auszusprechen, verfällst du vielleicht in automatische Reaktionen der Selbstsabotage. Die amerikanische Psychologin Lindsay C. Gibson nennt diese vier typischen Reaktionen die „Vier Reiter der Selbstsabotage“: Passivität, Dissoziation, Erstarrung und erlernte Hilflosigkeit.

Vielleicht hast du diese Muster bereits so sehr verinnerlicht, dass du unbewusst versuchst, dich schlechter statt besser zu fühlen.

Im Folgenden lernst du vier Reaktionsmuster kennen.


1. Passivität

Passivität beschreibt das Gefühl, dass es einfacher ist, sich anderen unterzuordnen. Menschen, die es gewohnt sind, die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen zu stellen, entwickeln oft diese Form der Reaktion.

Wenn du als Kind mit emotional unreifen Bezugspersonen aufgewachsen bist, hattest du kaum eine Chance, dich gegen deren Willen durchzusetzen. Deine natürlichen Impulse, aktiv und selbstbewusst zu handeln, wurden unterdrückt – was zu innerem Konflikt und starker Unsicherheit geführt hat.

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Einige Kinder rebellieren gegen die Anforderungen ihrer Eltern. Doch sensible, eher nach innen gerichtete Kinder wie Aaron neigen dazu, sich zurückzuziehen und zu versuchen, Probleme allein zu lösen. Passivität half ihnen damals, Konflikte mit dominanten Erwachsenen zu vermeiden.


2. Dissoziation

Dissoziation ist ein noch tiefergehender Abwehrmechanismus als Passivität – weil er nicht nur auf andere, sondern auch auf dich selbst eine Distanz schafft. Meist beginnt sie mit einer Situation, die emotional überwältigend ist. Wenn man einmal erfahren hat, dass Dissoziation Erleichterung bringt, greift man immer wieder darauf zurück.

Dissoziation kann sich wie ein „Außer-sich-Sein“ oder gar wie Gedächtnisverlust anfühlen. Typisch sind Tagträume, Ablenkung durch Essen oder Medikamente, das Gefühl innerer Leere oder der Verlust von Gegenwärtigkeit. Wer dissoziiert, ist oft nicht ganz im Hier und Jetzt, sondern erlebt sich wie in einer virtuellen Realität – als Beobachter*in des eigenen Lebens.


3. Erstarrung

Im Unterschied zur geistigen Abwesenheit bei Dissoziation ist Erstarrung (auch: Immobilisation) eine körperlich unbewusste Reaktion, bei der der ganze Organismus „abschaltet“. Sie tritt ein, wenn du dich wie „eingefroren“ fühlst – etwa wie ein Reh im Scheinwerferlicht, das vor Schreck nicht mehr reagieren kann.

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Menschen und Tiere verfügen über diesen uralten Reflex des Nervensystems, um sich in lebensbedrohlichen Momenten zu schützen. Auch emotional unreife Erwachsene, die durch ihre impulsiven Reaktionen Angst auslösen, können bei Kindern diesen Zustand hervorrufen.


4. Erlernte Hilflosigkeit

Erlernte Hilflosigkeit ist ein psychologischer Zustand, der entsteht, wenn ein Mensch wiederholt erlebt, dass unangenehme Erfahrungen nicht zu vermeiden sind. Irgendwann lernt man: Aufgeben ist der einzige Ausweg.

Das Interessante daran: Diese Hilflosigkeit muss nicht bewusst „anerzogen“ werden. Sowohl Tiere als auch Menschen entwickeln sie spontan – als natürliche Reaktion auf andauernden Schmerz oder chronischen Stress. Wenn du über lange Zeit der Kontrolle durch emotional unreife Menschen ausgeliefert warst, dann ist deine Hilflosigkeit kein persönliches Versagen, sondern ein unbewusster Schutzmechanismus.

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Gerade deshalb verdienen wir Mitgefühl – auch von uns selbst. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Reaktionsweisen kein Zeichen von Schwäche sind, sondern das Ergebnis tiefer seelischer Erfahrungen.


Quelle: Lindsay C. Gibson – Emotional unreife Eltern: Wie wir mit distanzierten, abweisenden oder ich-bezogenen Müttern und Vätern umgehen

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