4 Erkenntnisse zum „Das erschrockene Tier“-Modus

Hast du dich schon einmal gefragt, warum du in Konflikten plötzlich in den ‚Das erschrockene Tier‘-Modus wechselst? Vielleicht verschwindet dein Partner, wenn du ein ernstes Gespräch führen möchtest, oder verliert plötzlich die Kontrolle und greift dich an. Oder hast du selbst in Stresssituationen so reagiert?
Warum also wählen wir immer wieder die Flucht in Konflikten? Oder warum verhalten wir uns während eines Konflikts wie ein Hund, der überall herumbellt?
Weil wir den „Das erschrockene Tier“-Modus aktiviert haben, der unser Verhalten in stressigen Situationen beeinflusst.

1. Was ist der „Das erschrockene Tier“-Modus?

Unser Gehirn funktioniert in zwei grundlegenden Modi: „Verbindung“ und „Schutz“. Der „Schutz“-Modus hat oft die Oberhand. Das bedeutet, unser Gehirn ist darauf programmiert, immer auf mögliche Bedrohungen, sowohl potenzielle als auch reale, zu achten, um uns zu schützen. Dieser Modus wird in Jason Gaddis‘ Buch Getting to Zero als der „Das erschrockene Tier“-Modus (THE SCARED ANIMAL) bezeichnet. In diesem Zustand konzentriert sich unser Gehirn nur auf eine Sache: den eigenen Schutz und das Überleben.

Wenn du jemals einen Hund aus einem Tierheim adoptiert hast, weißt du, dass diese Hunde oft von Angst erfüllt sind. Obwohl sie sich freuen, einen neuen, liebevollen Besitzer zu haben, sind sie auch ängstlich aufgrund der Erfahrungen, die sie vorher gemacht haben. Der neue Besitzer muss freundlich und sicher auftreten, um die Angst des Hundes nicht auszulösen.

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Bild von JL G auf Pixabay

2. Warum haben wir den „Das erschrockene Tier“-Modus?

Die Antwort ist eigentlich einfach: Wir schalten in den „Das erschrockene Tier“-Modus, wenn wir uns bedroht fühlen – sei es in Bezug auf unsere psychische oder physische Gesundheit, Sicherheit, Identität, Werte, Moralvorstellungen, unser Eigentum oder unsere geliebten Menschen. Sobald wir eine Bedrohung wahrnehmen oder Gefahr wittern, aktiviert sich der „Das erschrockene Tier“-Modus.

3. Wie wird der „Das erschrockene Tier“-Modus aktiviert?

Stell dir vor, in einer für dich wichtigen Beziehung wird ständig über dich geurteilt, kritisiert oder dir sogar die Schuld gegeben. In diesem Fall wird es dir leicht fallen, in den „Das erschrockene Tier“-Modus zu wechseln.

Sobald die aktuelle Situation ein wenig an eine frühere, unsichere Erfahrung erinnert, wirst du ein starkes Gefühl der Unsicherheit und Angst verspüren. Doch egal, wie sehr du versuchst, dich zu beherrschen – dieses „Das erschrockene Tier“ gehört jetzt zu dir, und du kannst es nicht einfach vertreiben oder loswerden. Diese reflexartige Angst dient zwar zum Schutz, aber sie kann auch die Verbindung zu den Menschen, die dir am meisten am Herzen liegen, gefährden.

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Es gibt auch zwei extreme Verhaltensweisen, die den „Das erschrockene Tier“-Modus auslösen können: übermäßige Nähe oder übermäßige Distanz.


Übermäßige Nähe: Wenn jemand dir zu nahe kommt, dir deinen persönlichen Raum nicht lässt, wirst du es als Bedrohung empfinden. Du gehst in den Abwehrmodus, beginnst, die Umgebung zu scannen, und bereitest dich darauf vor, dich zu schützen.


Übermäßige Distanz: Andererseits führt es zu einem Gefühl der Unsicherheit, wenn sich jemand, den du magst, zu weit von dir entfernt. Du hast Angst, dass diese Person dich nicht mehr schätzt oder dich sogar verlassen könnte. Zu viel Distanz kann sich durch Schweigen, das Verlassen des Raums, das Abwenden oder das Vermeiden von Gesprächen äußern. Das Fehlen von Kommunikation ist oft das am meisten unerträgliche Zeichen, da wir das Unbekannte nicht mögen.

4. Der Schaden des „Das erschrockene Tier“-Modus in Beziehungen

Der „Das erschrockene Tier“-Modus (THE SCARED ANIMAL), der durch zu viel Nähe oder zu viel Distanz aktiviert wird, ist völlig normal. Doch es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass diese ständige Anspannung auf lange Sicht sowohl körperlich als auch psychisch schädlich sein kann. Konflikte bleiben ungelöst und führen zu einer Entfremdung von den Menschen, die uns am nächsten stehen. Und es geht noch weiter – dieser Modus kann nicht nur die Verbindung zu anderen, sondern auch die Verbindung zu unserem eigenen Inneren zerstören. Wenn wir Angst haben, geraten wir in einen Zustand von Stress, verlieren die Kontrolle über unser Verhalten und handeln unberechenbar.

Quellenangabe: Dieser Inhalt stammt vollständig aus dem Buch von Jayson Gaddis: Getting to Zero: How to Work Through Conflict in Your High-Stakes Relationships.

Der Inhalt unseres Artikels dieser Artikel stammt ebenfalls vollständig aus diesem Buch.

Wenn Sie mehr über das Buch erfahren möchten, können Sie sich dieses Youtube-Interview mit dem Autor Jayson Gaddis ansehen:
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