5 Schritte „Achtsames Zuhören“:Freunden effektiv zuhören

Achtsames Zuhören ist eine wertvolle Fähigkeit, die oft übersehen wird. Hast du dich schon einmal gefragt, warum einige Menschen, wenn du versuchst, ihnen von deinen Schwierigkeiten zu erzählen, nicht wirklich zuhören und sofort anfangen, dir Ratschläge zu geben, wie du das Problem lösen kannst? Oder hast du selbst schon einmal in dieser Weise reagiert?

1. Der Fall von Maria

Maria hält sich für eine freundliche Person, die immer anderen helfen möchte. Eines Tages traf sie sich mit ihrer guten Freundin Aisha zum Kaffee. Aisha erzählte weinend von ihrer Trennung von ihrem langjährigen Freund.

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Maria unterbrach sie immer wieder und versicherte ihr, dass alles gut werden würde, dass sie sicherlich wieder die wahre Liebe finden würde. Schließlich platzte Aisha der Kragen: „Warum kannst du mir nicht einfach zuhören? Ich bin so traurig und brauche jemanden, der mir zuhört. Vielleicht werde ich irgendwann wieder okay sein, aber im Moment bin ich es nicht. Ich brauche dich, um hier bei mir zu sein!“ Nach diesen Worten stand Aisha enttäuscht auf und verließ den Tisch.

2. Warum hören wir nicht richtig zu?

Obwohl Maria helfen wollte, verschlechterte sie die Situation mit ihrem Verhalten. Manchmal, obwohl wir es gut meinen, kann das Nicht-Zuhören und das Nicht-Annehmen des Schmerzes des anderen dazu führen, dass die emotionale Verbindung unterbrochen wird. Die Person, die sich mitteilen möchte, hofft vielleicht nur auf Mitgefühl – sei es bewusst oder unbewusst.

Aber warum neigen wir oft dazu, die Probleme anderer zu „lösen“, anstatt einfach zuzuhören? Ein Grund dafür ist, dass es uns unangenehm ist, mit dem Schmerz des anderen zu teilen. Wir fühlen mit der anderen Person mit, was auch unsere eigenen Ängste oder unangenehmen Erinnerungen wecken kann. Wissenschaftler haben spezielle Neuronen entdeckt, die als „Spiegelneuronen“ bezeichnet werden und uns helfen, die Gefühle anderer nachzuvollziehen. Während Empathie eine wertvolle Fähigkeit ist, kann sie uns überfordern, und dann greifen wir oft zu Abwehrmechanismen wie Ablenkung oder dem Versuch, das Problem sofort zu lösen.

3. Wie können wir achtsames zuhören?

Wie können wir dennoch eine emotionale Verbindung zu jemandem aufrechterhalten, der leidet? Zunächst müssen wir in Verbindung mit uns selbst bleiben – wir müssen den Schmerz, den wir spüren, erkennen und mit Mitgefühl auf uns selbst reagieren. Wenn wir eine offene Haltung bewahren und die Schwierigkeit des Zuhörens akzeptieren, können wir den anderen ungestört und ohne Unterbrechung sprechen lassen.

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Zurück zu Marias Fall: Nachdem Aisha gegangen war, nahm sich Maria Zeit, um über das Geschehene nachzudenken. Sie bemerkte, dass sie den Schmerz ihrer Freundin fühlte und versuchte, ihr durch Ratschläge zu helfen, die sie eigentlich nicht hören wollte. Zusätzlich erinnerte sie sich an ihre eigene schmerzhafte Trennung vor einem Jahr, was ihre Überforderung verstärkte. Doch da sie ihre Freundin liebte, entschloss sie sich, Aisha später am Abend zu besuchen und sich zu entschuldigen. Sie bat Aisha, weiter zu sprechen. Diesmal wandte Maria die „achtsame Zuhören“-Meditation an. Jedes Mal, wenn sie sich unwohl fühlte, atmete sie tief ein. Bald bemerkte sie, dass es ihr viel leichter fiel, zuzuhören. Sie war erleichtert, dass sie ihrer Freundin wirklich zur Seite stehen konnte.

4. „Achtsames Zuhören“-Meditation

Die „achtsames Zuhören“-Meditation, die Maria anwendete, basiert auf den Prinzipien der „Selbstmitgefühl-Atemtechnik“ und „Mitgefühl entwickeln“. Sie umfasst sowohl die Achtsamkeit auf den Atem als auch das bewusste Praktizieren von Freundlichkeit und Mitgefühl.

Einfach gesagt, findet diese Meditation das Gleichgewicht zwischen dem Fürsorge für uns selbst und dem Mitgefühl für den anderen, indem wir für uns selbst einatmen und für den anderen ausatmen.

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Die „achtsame Zuhören“-Meditation umfasst fünf Schritte:

Schritt 1: Setze dich und schließe die Augen

Finde eine bequeme Position, setze dich hin und schließe die Augen. Wenn du möchtest, lege eine Hand auf dein Herz oder auf eine andere beruhigende Stelle, um dich selbst daran zu erinnern, deine Aufmerksamkeit liebevoll auf dich selbst und deinen Körper zu richten.

Schritt 2: Atme tief und entspanne dich

Atme einige Male tief ein und aus, um dich zu entspannen. Achte darauf, wie der Atem dich beim Einatmen nährt und beim Ausatmen beruhigt. Nach ein paar Atemzügen finde deinen natürlichen Rhythmus und spüre, wie der Atem sanft in und aus deinem Körper fließt. Du kannst auch leicht schwingen, um den Atem zu spüren.

Schritt 3: Erwärme deine Achtsamkeit

Achte nun auf den Atem in drei Schritten:
– Konzentriere dich zunächst auf das Einatmen und nimm bewusst wahr, wie die Luft deinen Körper nährt. Du kannst dir vorstellen, dass du dir mit jedem Atemzug Freundlichkeit und Mitgefühl schenkst.
– Wandere dann zum Ausatmen und lasse die Luft sanft deinen Körper verlassen.
– Schließlich stelle dir eine Person vor, die du liebst oder die Mitgefühl braucht, und sende mit jedem Ausatmen Mitgefühl an diese Person.

Schritt 4: Für mich einatmen, für dich ausatmen

Jetzt achte gleichzeitig auf das Ein- und Ausatmen. Atme in diesem Moment Mitgefühl für dich selbst ein und sende beim Ausatmen Mitgefühl an die andere Person. Du kannst das Verhältnis von Aufmerksamkeit nach Belieben anpassen, je nachdem, was sich in diesem Moment für dich richtig anfühlt.

Schritt 5: Öffne die Augen und beende die Meditation

Am Ende der Meditation öffne langsam deine Augen und beende die Übung.

Wenn das nächste Mal jemand zu dir kommt und sich beschwert, kannst du diese Übung anwenden, um emotional verbunden zu bleiben, ohne von den eigenen Gefühlen überwältigt zu werden.

Diese Inhalte basieren vollständig auf dem Übungsbuch von * Kristin Neff und Christopher Germer: Selbstmitgefühl – Das Übungsbuch.

*Dieses Buch ist auch in deutscher Übersetzung erhältlich und kann beispielsweise auf Amazon erworben werden. Der vollständige Titel der deutschen Ausgabe lautet:

Selbstmitgefühl: Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden
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Weitere Ansichten zu diesem Buch findest du hier:
Die 6 Einfachen Schritte zur Selbstvergebung
oder
3 Elemente der Selbstmitgefühl: Sei gut zu dir selbst